Christopher Paolini und sein Wikingerkeller

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An einem kalten Dezembertag stehen vierhundert Menschen Schlange und warten darauf, dass ein Mann ihr Buch signiert. Sein Name: Christopher Paolini. Ein Bestsellerautor aus den USA auf Europatour, um seinen neuen Roman “Murtagh” zu bewerben. Ein paar Wochen vorher wurde Paolini vierzig Jahre alt.

Er stellt den Roman im Hamburger Zeise-Kino vor. Jeder Platz im Kino ist belegt. Er trägt ein rotes Shirt und eine schwarze Lederjacke. Auf dem Kopf hat er einen schwarzen Hut mit breiter Krempe, weinrotem Innenfutter und einer großen, geschwungenen Feder.

„Dieser Musketier da“

Paolini hat einen Vollbart. Als diesen “Musketier” bezeichnet ihn ein Kinobesucher, der Paolini nicht kennt. Die Signierstunde vor dem Kino dauert drei Stunden. “Der ist ja immer noch da”, sagt der Kinobesucher, “der muss doch schon einen Krampf im Arm haben.”

Im Interview nach der Signierstunde friert Paolini. Er erzählt von seiner Kindheit und wie es dazu kam, dass er mit 15 Jahren einen Weltbestseller schrieb, den Fantasy-Roman “Eragon”.

Der Wikingerkeller

Die Geschichte hinter Eragon geht so: Zwei Wochen nachdem er die Highschool abschloss, hob er ein Loch in seinem Garten aus. Drei Meter Durchmesser. Drei Meter Tiefe. Er deckte es mit einer alten Satellitenschüssel ab. Darauf Stroh zur Isolierung, Rinden als Wetterschutz. Ein Tunnel als Zugang. Fertig.

Ein Lagerkeller, wie ihn die Wikinger einst gemacht haben.

Mit anderen Worten: Christopher Paolini war langweilig. Und da der Wikinger-Keller irgendwann fertig war, fing er an zu schreiben.

In Paolinis Buchreihe geht es um einen Bauernjungen, der in der Wildnis ein Drachenei findet. Er wird zum Drachenreiter. Gemeinsam mit seinem Drachen Saphira wird er von einem tyrannischen König gejagt. Als letzter Drachenreiter muss er den Kampf für seine Freiheit und die Freiheit seiner ganzen Welt antreten.

Eragon hieß eigentlich anders

Beim ersten Schreibversuch hieß der Held Eragon noch anders. Er hieß Kevin.

Das klingt noch nicht so mystisch, oder? Ein neuer Name musste her – aber welcher? Paolini fand eine Lösung, die so simpel wie genial war. In seinem Roman ging es um Drachen. Er wechselte einfach den ersten Buchstaben des englischen Worts für Drachen aus. Und aus Dragon wurde Eragon.

Und Eragon wurde zum Erfolg: Paolinis Familie veröffentlichte das Buch im Selbstverlag. Ein Autor entdeckte das Buch, gab es an seinen Verlag weiter. Und Christopher Paolini wurde zum jüngsten Bestsellerautor aller Zeiten. Er schaffte es sogar ins Guiness-Buch der Rekorde. Seine Eragon-Buchreihe verkaufte bis heute mehr als vierzig Millionen Exemplare. 2006 folgte die erste Hollywood-Verfilmung. Derzeit wird an einem Reboot gearbeitet, einer Serie für Disney+.

Seine größte Angst

Wäre er kein Autor geworden, dann würde er heute etwas mit den Händen machen, sagt Paolini im Interview. Vielleicht Holzhandwerk oder Metallarbeiten.

Auf die Frage nach seiner größten Angst antwortet Paolini ohne Zögern: Der Tod. Denn alle anderen Probleme würden sich diesem unterordnen. Zum Beispiel würde er es dann nicht mehr schaffen, all seine Ideen zu Papier zu bringen.

18 Bärte

Paolini lässt sich neuerdings immer einen Bart wachsen, wenn er an einem Buchprojekt arbeitet. Erst wenn er das Projekt abgeschlossen hat, rasiert er sich den Bart ab.

Und er hat viele Pläne. Für 18 vollständige Romane, allein neun davon rund um Eragon. Er möchte mindestens drei Bücher im Jahr schreiben. Er möchte sich als Regisseur ausprobieren, möchte einen Independent-Film drehen. Er muss zwei Drehbücher schreiben, eins davon für die Eragon-Serie für Disney+.

18 Bücher, das sind 18 Bärte.

Christopher Paolini war so früh reich und erfolgreich, wie die meisten Bestsellerautoren erst im hohen Alter. Dementsprechend groß sind seine Ambitionen. “Erfolg verliert niemals seinen Reiz”, sagt Paolini. Jedes Buch sei eine neue Wette: Jedes Mal hoffe er darauf, dass die Leserschaft zufrieden ist. “Murtagh” ist sein sechstes Buch auf Platz eins der New York Times Bestsellerliste.

Das Loch in seinem Garten gibt es übrigens nicht mehr. Christopher Paolinis Familie zog um, die Neubesitzer ließen den Garten umbaggern. Sie konnten keinen Wikingerkeller gebrauchen.

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