Sherlock & Watson | Hörspielstaffel 1 – Rezension

Sherlock & Watson | Hörspielstaffel 1 – Rezension

Sherlock Holmes und sein Freund und Kollege Dr. John Watson erblickten schon vor mehr als 130 Jahren das Licht der Welt – und noch immer ist ihre Geschichte nicht auserzählt. Ob die klassischen und neuen Hörspiele mit Christian Rode und Peter Groeger oder BBC’s „Sherlock“. Ob Kinofilm, Netflix-Serie, Kinderbuch oder Erwachsenenkrimi, ob Original oder Pastiche – Sherlock und Watson sind so lebendig wie eh und je. Und noch ist kein Ende in Sicht.

Immer wieder gab und gibt es Adaptionen, die den Meisterermittler und seinen Chronisten in das London unserer Tage versetzen, ihn mit Smartphone ausstatten und Watson einen Blog verpassen – in diesem Fall ist die Rede von der Serie „Sherlock“ vom BBC. Doch auch diese Serie inspirierte weitere Formate, wie die Hörspielreihe „Sherlock & Watson“ von Der Audio Verlag, deren erste Staffel fünf Fälle umfasste und 2015 erschien. Ende 2020 erschien die zweite Staffel mit fünf weiteren Fällen, die sogar mit dem Blauen Karfunkel ausgezeichnet wurde.

Aber warum geht es überhaupt?

Neuinterpretierte Klassiker

Die erste Staffel bietet fünf unterschiedliche, von Felix Partenzi und Viviane Koppelmann geschriebene Fälle. Der erste Fall „Das Rätsel von Musgrave Abbey“ hat nur wenig mit dem Original „Das Musgrave Ritual“ zu tun, dafür geht es um das verschwundene Manuskript einer Bestsellerautorin und ein entführtes Kind. Im zweiten Teil „Ein Flucht in Rosarot“ diente dann statt des klassischen Originals die erste Staffel der BBC-Serie als Vorlage. Zum Glück ging es danach klassischer weiter, zum Beispiel im „Somersett-Fall“, der nah am Original „Die Junker von Reigate“ gehalten ist.

Sherlock Holmes wird von Johann von Bülow gesprochen: schnell, misanthropisch und klar analytisch entspricht er ganz dem Original. Florian Lukas aka John Watson ist der empathische Gegenpart, der immer wieder ruhige Erzählmomente hat, die perfekt zur Atmosphäre passen.

Watsons Blog

Der Umgang mit Watsons Blog ist eines der Alleinstellungsmerkmale der Hörspielserie. Immer wieder war nicht nur zu hören, wie er seine Blogartikel schrieb – sondern auch die Kommentare wurden auf kreative Weise eingebunden. Mal witzig, mal belanglos, kommentierten die „Leser“ unter ihren kreativen Benutzernamen – und es dauerte nicht lang, bis man die wahren Personen hinter manchen der Accounts feststellen konnte. Die Kommentare sind eine wirklich gute Idee, die mich begeistern konnte und die den Hörspielen ein spürbar modernes und aktuelles Element verliehen.

Egal ob drei ???, Sherlock Holmes oder scheinbar jedes andere Ermittlerteam: der Klassiker ist, dass die Ermittelnden gleich mehrere Fälle bearbeiten müssen – die, wie sich später herausstellt, dann doch alle irgendwie zusammenhängen. Sherlock & Watson spielte damit auf ganz andere Weise, indem die Fälle zur Ausnahme einmal nicht zusammenhingen – klingt simpel, ist aber ein Einfall, der in die richtige Richtung geht.

Weniger gefiel mir dagegen, wie sich die Reihe auf die bekannte BBC-Serie bezog und manche Fälle grob auf deren Episoden basieren ließ. Fehlten eigene Einfälle? Mitnichten! Doch der Versuch an die BBC-Serie anzuknüpfen nahm den einzelnen Geschichten viel Raum, und schließlich verzettelten sich die Hörspiele – genau wie die BBC-Serie – im ewigen Kampf von Sherlock Holmes gegen seinen Erzfeind Moriarty, anstatt sich den kleinen, interessanten, unvorhersehbaren Fällen zu widmen. Da ist leider viel Potential verloren gegangen, als sich die Reihe weiter als nötig von den Originalen entfernte.

Geräuschkulisse und Soundtrack

Was den Soundtrack angeht, konnte die Reihe durch einen satten Sound und eine gute Geräuschkulisse punkten. Die Musik war gut gewählt, die Übergänge weich und auch die sonstigen Hintergrundgeräusche waren nicht vordergründig, aber sehr überzeugend. Die talentierten Sprecher der Hauptcharaktere – wie Johann von Bülow, der vollkommen in seiner Rolle aufging – und die große Anzahl unterschiedlicher Nebensprecher, die fast nie in künstliche Sprechweise verfielen, haben die Hörspielreihe schon ohne auf den Inhalt zu achten zu einem Hörgenuss mit Qualität gemacht.

Ob die zweite Staffel die gleichen Fehler macht, wie die erste? Oder wächst sie darüber hinaus? Zumindest auf eine Sache hoffe ich sehr: einen Auftritt der berühmtesten Haushälterin des 19. Jahrhunderts – Mrs. Hudson.

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