Die 7. Zeugin – Rezension

Die 7. Zeugin – Rezension

Wenn sich ein Rechtsmediziner und ein Strafverteidiger zusammentun, um einen Krimi über einen Rechtsmediziner und einen Strafverteidiger zu schreiben, dann sollte man äußerst gespannt sein. Am 1. Februar 2021 erschien der Justiz-Krimi „Die 7. Zeugin“, von Florian Schwiecker und Michael Tsokos, der Auftakt einer Reihe, die neues Leben in die deutschen Justiz-Krimis bringen soll.

An einem ganz gewöhnlichen Sonntagmorgen verlässt der durchschnittliche Beamte Nikolas Nölting sein Haus, betritt eine Bäckerei – und schießt plötzlich um sich. Der ehrgeizige Strafverteidiger Rocco Eberhardt soll ihn vertreten, doch sein Mandant verfällt in beharrliches Schweigen. Rocco Eberhardt bleibt nichts anderes übrig, als selbst Nachforschungen anzustellen (oder besser gesagt: seinen Freund zu engagieren, den Privatdetektiv Tobias Baumann). Was trieb den Täter an, als er aus heiterem Himmel um sich schoss? Es braucht den Gerichtsmediziner Dr. Justus Jarmer, um die auf der Stelle tretenden Ermittlungen ins Rollen zu bringen.

Wohl dosierte Action

Das ist ein kleiner Vorgeschmack auf die Handlung von „Die 7. Zeugin“, einem unaufgeregten Justiz-Krimi, mit viel Realismus und wohl dosierter Action. Einer der Hauptcharaktere, der Gerichtsmediziner Justus Jarmer, verkörpert genau das, was auch die gesamte Geschichte ausmacht: ein analysierender Blick, Ruhe, ein bisschen Idealismus an manchen Stellen, aber auch die Fähigkeit, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen und neu zu überdenken – und das ist, was Charaktere wie auch Bücher zu etwas ganz Besonderem machen kann.

Von dem Gerichtsmediziner hatte ich mir mehr Auftritte erhofft, da er als eine der Hauptfiguren beschrieben wurde – aber wer weiß, vielleicht ist die Verbindung zwischen Justus Jarmer und Rocco Eberhardt auch etwas, was sich noch entwickeln muss und in den nächsten Bänden mehr Raum bekommt. Dagegen bekam der Detektiv Tobias Baumann viel Raum, dessen Freundschaft zu Rocco Eberhardt vielfach auf die Probe gestellt wurde. Diese Spannungsmomente zwischen den beiden Freunden waren ein gelungener Nebenstrang der Handlung, der geschickt die Bahnen der Haupthandlung kreuzte.

Zwischendurch befürchtete ich, dass sich der Justiz-Krimi in ethischen und juristischen Fragen verheddern könnte, doch zum Schluss war es doch fast schon enttäuschend, wie oberflächlich auf die ethischen Fragen eingegangen wurde. Ob es den Rahmen des Buchs gesprengt hätte? Ob es nicht zu der geradlinigen Art des Justiz-Krimis gepasst hätte? Womöglich.

Der kritische Punkt

Wenn man dem Autorenduo eines nicht vorwerfen kann, dann, dass sie die Handlung unnötig in die Länge gezogen hätten. Im Gegenteil, sie kamen ohne Umschweife zur Sache – das ist besonders deshalb bemerkenswert, da sich die Gerichtsverhandlungen in einem realistischen Tempo voran bewegen, sich also über Monate hinziehen. Kurze Kapitel von durchschnittlich zwei Seiten und ein flotter Schreibstil machten die 318 Seiten für mich zu einem kurzen, aber sehr intensiven Vergnügen.

Natürlich muss man auch realistisch sein: Die 7. Zeugin ist ein Justiz-Krimi, und es gibt (wie oft in diesem Genre) einen Punkt, an dem die meisten Handlungsstränge entwirrt und gelöst sind, und es sich nur noch um die reine Gerichtsverhandlung dreht. An diesem Moment kann die Spannung leiden, oder zu theatralische Inszenierungen vor Gericht können auf die Leser unrealistisch wirken. Obwohl sich der Strafverteidiger Rocco Eberhardt dem einen oder anderen rhetorischen Kniff bediente, driftete der Krimi jedoch nicht ins Unrealistische ab, sondern blieb sich bis zum Schluss treu, und kam zu einem allmählichen, befriedigenden Ende.

Ein paar Andeutungen machen mich schon gespannt auf den nächsten Teil, den ich auf jeden Fall lesen möchte. Wann dieser erscheinen wird, scheint noch nicht klar zu sein – doch wenn das Autorenduo dem Stil auch im zweiten Teil treu bleibt, dann werden die „Eberhardt & Jarmer-Krimis“ eine vielversprechende Reihe werden.


Bis zum 11.2. läuft auf meinem Instagram-Account eine Verlosung zu „Die 7. Zeugin“ – folgt diesem Link: Die 7. Zeugin Verlosung.

Jasper

Jasper ist Schüler und leidenschaftlicher Leser und Schreiber. Er bloggt als "Jaspers Buchblog" und ist einer von drei Sprechern des "Mühlenhof-Podcast". Als Autor schreibt er in den Genres Fantasy, Thriller und Krimi.

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