Rezension: EXTINCTION

Rezension: EXTINCTION

Ein japanischer Thrillerautor? Da fällt mir einzig und allein Kazuaki Takano ein. Vor zwei Jahren las ich den Thriller „13 Stufen“ – auch wegen dieses Buchs hat mich die Sparte der Thriller überhaupt erst so richtig gepackt. Jetzt habe ich endlich die Chance ergriffen und das berühmteste Buch des Autors zu lesen: Extinction, erstmals 2011 erschienen, das einerseits sehr ähnlich, aber doch auch ganz anders war…

Extinction handelt von Jonathan Yeager, einem ehemaligen Soldaten des amerikanischen Militärs, der für eine private Militärfirma arbeitet. Er erledigt für zahlreiche Länder Aufträge, die ihn häufig in Kriegsgebiet führen – und manchmal sehr „schmutzig“ sind. Bei seinem neusten Auftrag handelt es sich um die zweite Kategorie, denn er wird für das Weiße Haus in den Kongo geschickt, mitten in den blutigen Guerillakrieg hinein. Es heißt, bei einem Pygmäenstamm sei ein tödliches Virus ausgebrochen, dessen Verbreitung mit allen Mitteln verhindert werden soll. Im Dschungel erkennt Yeager dann, dass es dem Weißen Haus in Wirklichkeit um einen kleinen Jungen geht, dessen Intelligenz es als Bedrohung ansieht. Doch Yeager weigert sich, ihn zu töten – und setzt stattdessen alles daran, ihn zu retten.

Damit habe ich weniger gesagt, als der Klappentext verrät – und der verrät an sich schon wenig von dem, was eigentlich kommt. Doch man darf auch nicht zu viel verraten, denn die Geschichte ist zu sorgfältig angelegt. Der Thriller ist intelligent, seine Handlung dicht. Die Szenen sind teilweise sehr kurz und gehen über nicht mehr als drei Seiten, weshalb viel passiert und die Handlung sehr schnell voranschreitet. Das geht über mehr als fünfhundert Seiten so, wodurch das Buch wirklich viel bietet – in manchen Teilen sogar Nachdenkliches.

Ganz anders, als es in 13 Stufen der Fall war (das in meiner Erinnerung wenig richtiggehende Action oder Gewalt beinhaltete), ging es bei Extinction „richtig ab“, vor allem der Teil um den Hauptcharakter Jonathan Yeager. Ein Teil der Handlung spielte aber in Japan – und dieser erinnerte mich komplett an 13 Stufen. Ich denke, auch dies macht Extinction so interessant: ausnahmsweise nicht Amerika, nicht Deutschland, sondern Japan als einen der Haupt-Handlungsorte zu haben. Ohne es wirklich beschreiben zu können hatte ich das Gefühl, dass sich die Japaner zwar natürlich, aber schon anders verhalten haben.

Manchmal drängten sich mir da jedoch Fragen auf: an gleich mehreren Stellen hat ein Charakter seltsame nachforschende Fragen gestellt, auf die ich sofort geantwortet hätte: warum willst du das wissen? Verbietet das die im Buch praktizierte „japanische Höflichkeit“? Zum Glück bleibt dies jedoch meine einzige Frage.

Bei der Erzählung der Geschichte verwendet Kazuaki Takano mehrmals ein ähnliches Schema: er startet mit dem Tagesablauf von jemandem, der irgendwie an der Operation beteiligt ist, und führt ihn bis zu einer neuen Entwicklung fort – das hat wirklich viel Spaß gemacht und konnte gut genutzt werden, um viele der Nebencharaktere und ihre Psychologie besser kennenzulernen.

Insgesamt hat der Thriller all meine Erwartungen übertroffen. Mag er auch Jahre vor der Amtszeit des aktuellen amerikanischen Präsidenten erschienen sein, weist der (fiktionale) Präsident aus Extinction doch erschreckende Ähnlichkeiten zum aktuellen Präsidenten auf. Teile der Geschichte kann man als höchst spekulativ betrachten, doch der Autor hat sich immer um wissenschaftliche Erklärungen bemüht. Gleichzeitig liefert er eine packende Geschichte und einen spannenden Erzählstil. So viel Spannung habe ich selten beim Lesen eines Buchs verspürt, wie hier in diesem japanischen Thriller. Schade, dass bisher keine weiteren Bücher des Autors übersetzt worden sind!

Jasper

Jasper ist Schüler und leidenschaftlicher Leser und Schreiber. Er bloggt als "Jaspers Buchblog" und ist einer von drei Sprechern des "Mühlenhof-Podcast". Als Autor schreibt er in den Genres Fantasy, Thriller und Krimi.

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