Schreibtipps: #2 Jetzt mal ganz deutlich

Schreibtipps: #2 Jetzt mal ganz deutlich

Nachdem meine ersten Schreibtipps so gut bei euch angekommen sind, lege ich noch einmal nach: im ersten Teil meiner „Schreibtipps eines Lesers und Hobbyschreibers“ habe ich (aus eigener Erfahrung) einige Tipps, wie man verständlichere Geschichten schreibt gesammelt. Im zweiten Teil erfahrt ihr, was Autoren für Schreibtipps haben und zuletzt folgt noch eine kleine Schreibübung. Der ganze Artikel ist noch am Wachsen: besonders im zweiten Teil könnte noch der ein oder andere Autoren-Tipp dazukommen, sobald ich bei meinen Recherchen auf mehr stoße.

Jetzt mal ganz deutlich! Butter bei die Fische, ungeschminkt und vor allem: verständlich. So wünscht sich ein normaler Schreiberling seine Texte. Es gibt natürlich in der Deutlichkeit große Unterschiede: ein Autor muss keinen glasklaren Schreibstil haben, um gut zu sein – andersherum sind wirre Texte auch keine Garantie für Genialität. In der High-Fantasy ist der Märchenstil sehr beliebt, der auch gerne mal abstrakt und schwierig zu verstehen ist. Besonders bei Krimis und Thrillern kommt es dagegen häufig darauf an, dass man sich deutlich ausdrückt.

Es gibt ein paar Autoren, die mir zu erzählerischer Klahrheit einfallen: Andreas Eschbach zum Beispiel, dessen klar verständlichen Schreibstil ich in seinem Thriller „Black*Out“ bewundert habe. Er behandelt komplizierte Themen, bringt sie aber klar und verständlich rüber.

Ausschließlich kurze Sätze machen einen Text nicht angenehmer zu lesen – genauso wenig meterlange Wurmsätze. Eine Mischung aus beidem gefällt mir persönlich am Besten. In Blogbeiträgen versuche ich meist mit einem kurzen und prägnanten Satz anzufangen, der die Leser packt. Der nächste Satz sollte dann aber schon länger sein und viele Informationen beinhalten.

Kürzlich bin ich bei einem Buch auf einen wirklich geschickten Tipp gestoßen, der mir so nicht eingefallen wäre: darin geht es um die Aussprache eines Namens – aber man kann es in abgewandelter Form natürlich auch für viele andere Dinge verwenden.

Dem Leser auf die Sprünge helfen

Manchmal muss ein Autor einfach deutlich werden, um komplizierte Dinge zu veranschaulichen. Eine Stelle in „Der Ruf des Kuckuks“ von Robert Galbraith (aka Joanne K. Rowling) hat mir da sehr gefallen – sie ist nur leider auf English, da ich das Buch in Original-Sprache gelesen habe. Dort gibt der Detektiv Cormoran Strike seiner Assistenten die Anweisung, die Kontaktdaten eines bekannten Designers namens Guy Somé herauszufinden. Darauf antwortet sie:

„it’s pronounced Ghee!“ – (Seite 156)

Das fand ich wirklich sehr schön – denn natürlich konnte der Leser nicht wissen, wie man den Namen ausspricht. So hat nicht (nur) die Assistentin dem Detektiv klargemacht, wie man den Namen eigentlich ausspricht – sondern vielmehr die Autorin den Lesern!

Was Autoren für Tipps haben

Man findet im Internet viele Schreibtipps. Manchmal sogar von Bestsellerautoren verfasst, besonders spannend finde ich da die Website von Andreas Eschbach. Einerseits – aber da komme ich etwas vom Thema ab – hat er hier eine Seite, auf der er über die Wahrheiten und Unwahrheiten des Autoren-daseins aufräumt. Viel interessanter für unser Thema ist jedoch seine 10-Punkte-Text-ÜV, die man erst nach Verfassen und der inhaltlichen Überarbeitung eines Textes anwendet – das heißt: zum Schluss.

Darin geht es wirklich darum, die Äußerlichkeiten des Textes zu verbessern. Es fängt damit an, dass man der Reihe nach Blähwörter, lange Sätze, Passivsätze uvm. anstreicht (wie, wird ausführlich erklärt) und sich anschließend Gedanken macht, welche man weglassen könnte. Würde ich immer so arbeiten, dann würden besonders viele Blähwörter verschwinden: „ja“, „eigentlich“, „auch“, „aber“ – die nicht immer schlecht, aber in Mengen schwer erträglich sind.

Ich schreibe meine Texte immer mit Word, weil ich an dieses Programm gewöhnt bin. In das speziell für Autoren entwickelte Programm „Papyrus Autor“ ist diese Anleitung von Andreas Eschbach aber schon integriert und es ist auch deshalb sehr beliebt. Die ganze Anleitung ist hier zu finden.

Auch Christopher Paolini hat auf seiner Website Tipps für angehende Autoren. Allerdings sind diese a) auf Englisch und b) geht es vor allem um das Veröffentlichen – und besonders Selfpublishing – von Büchern. Wer sich speziell dafür interessiert, wird auf dieser Website viele gute Artikel finden.

Dann kann ich euch noch die Website von Markus Heitz empfehlen – dort gibt es ebenfalls einen Abschnitt nur für Schreiberlinge. Dort erklärt er von Anfang bis Ende, wie man ein Buch schreiben könnte. Die Lektüre davon lohnt sich sehr!

Eine kreative Schreibübung

Wie versprochen folgt jetzt eine Schreibübung, die ich auf jeden Fall schreiben werde – und vielleicht haben ja auch ein paar von euch Lust darauf. Wenn ja, dann schreibt mir doch gerne eine Email etc., ich lese mir alles gerne durch.

Stellt euch vor ihr seid am Strand und findet eine Flaschenpost, die seit Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahrhunderten durch die Weltmeere gespült wurde. Ihr öffnet den Verschluss und findet ein vergilbtes Stück Papier, auf dem ein Schiffbrüchiger von seinen Erlebnissen erzählt. Schreibt diesen fiktiven Text auf. Da er einen kompliziert klingenden Namen mit lateinischen Wurzeln hat, muss er ihn blumig umschreiben, damit Ihr als Leser ihn auch wirklich aussprechen könnt. Versucht den Text zum Schluss mit Andreas Eschbachs Anleitung zu überarbeiten – denn der Schiffbrüchige scheint sehr wortgewandt zu sein.

Falls ihr weitere gute Quellen für Schreibtipps kennt, dann verlinkt diese doch in den Kommentaren. Jetzt freue ich mich auf eure Texte!

Jasper

Jasper ist Schüler und leidenschaftlicher Leser und Schreiber. Er bloggt als "Jaspers Buchblog" und ist einer von drei Sprechern des "Mühlenhof-Podcast". Als Autor schreibt er in den Genres Fantasy, Thriller und Krimi.

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